Fancy Food

Haben sie sich schon mal überlegt ihre Visitenkarte in Schokolade drucken zu lassen z.B bei Druckerei Berlin? Nein? Dann haben sie vermutlich auch noch kein Steak vom Kobe-Rind für 200 EUR pro Portion gegessen? Sie marinieren ihr Huhn vor dem Backen nicht mit 25 Jahre alten Whiskey? Um zu einem Schluss zu kommen vermute ich, dass sich auf ihrem täglichen Frühstücksteller auch keine Spieße aus sonnengetrockneten Tomaten mit Büffelmozzarella und kanadischem Wildlachs befinden.

In den Augen vieler Gourmets muss es sich dann bei Ihnen um einen hoffnungslosen Fall handeln, der sich zum Crepes suzette immer noch eine Flasche Ketchup servieren lässt, den Grand Manier lieber selber trinkt und seine Trüffellasagne mit Maggi nachwürzt.

Nein, so schlimm ist es auch wieder nicht mit Ihnen? Da bin ich aber froh, denn mir geht es genauso. Nur weil ich gerne mal auch ganz simple Fischstäbchen esse, lasse ich mich noch lange nicht als Kulturbanausen beschimpfen, der Carpaccio für einen italienischen Fussballstil oder einen brasilianischen Tanz hält.

Überhaupt, was soll dieses ganze Fancy-Food, lernt doch erstmal wieder anständig deutsche Küche zu kochen, bevor ihr euch über die nächste trockene Steinofenpizza mit Parmaschinken und Ruccola hermacht. Wo kann man noch gute deutsche Fleischrouladen bekommen? Selbst die müssen jetzt mit einem Mousse aus gartenfrischer Zucchini und Kirschtomaten gefüllt sein, serviert mit einer Bärlauch-Weinschaumcreme und einem Salat von Palmenherzen auf Bruchetta.

Ich habe eine Zeit meines Lebens, einmal aus Spaß und weil sich mir die Möglichkeit geboten hatte, ausschließlich sog. Luxury-Food gegessen. Es ist schon erstaunlich, was unsere Sterneköche so aus einer einfachen Tomatensuppe machen können. Je weniger sie nach Tomatensuppe schmeckt, um so besser, denn die oberen Zehntausend wollen ja nichts, was gut schmeckt, sondern etwas Exklusives. In der Bahnhofskneipe bekommen sie den Brokkoli-Auflauf mit Formschinken und Tüten-Hollandaise, dieser Bereich des „nichtschmeckenden Essen“ war also schon besetzt und so sind unsere Sterneköche auf die simple wie geniale Idee gekommen einfach etwas zu kochen, das nach nichts schmeckt. Sie sind aber darauf angewiesen eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, denn sollte ein Gericht aus Versehen doch mal nach etwas schmecken, dann könnte es passieren, dass sich die Geschmacksnerven der Celebreties erholen und sie merken, dass der 98er Fumet Blanc seine 45.- EUR pro Glas nicht Wert ist.

In diesem Sinne werde ich mir jetzt einen Flammkuchen gönnen und einen schönen Chablis dazu trinken. Wohl bekomms.

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5 Kommentare»

  Sevta wrote @

Fancy Food hat einen anderen geschmack. Tomatensuppe ist bestimmt aus Tomaten, aber es schmeckt nicht wie Tomatensuppe schemcken soll. Ich hätte nie so viel Geld für eine Portion ausgegeben. Design spielt in diesem Fall eine sehr wichtige Rolle…

Liebe Grüüüüüsse

  Super Stefi wrote @

Wer Gourmet ist muss auch sehr viel Geld haben und vieles über essen wissen. Es ist eine Art, wie bei dem Wein. Man muss einige Detaills kennen.
Mir gefällt wie Chefs den Teller dekorieren.

Grüssis

  HotelMammi wrote @

Bin ganz Deiner Meinung. Anstatt 145.- EUR für ein Menu auszugeben, sollten unsere VIPs mal lieber ein anständiges Kassler in der Kantine essen und von dem gesparten Geld die hintzerzogenen Steuern nachbezahlen. 🙂

  JuliaB wrote @

Fancy Food schmeckt nicht immer wunderbar. Der Aspekt ist viel wichtiger. Der Name entspricht genau was ich hier sage!

[…] das Sie Suppenwürfel benützen und Tütensuppen der natürliche Feind jedes Koches sind wegen Natriumglutamat, Calciumglutamat, Glutaminsäure… werden Millionen gekauft und […]


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