Keine Angst, der will nur spielen

Etwa so würde der Kommentar einer Kuh lauten, wenn ein Vegetarier in den Stall kommt, denn aus Prinzip ist er kein Fleisch. Als Motiv gilt hier eine gesunde Ernährung, während bei den etwas radikaleren Veganern, die sogar Milch als tierisches Produkt ablehnen, eher religiöse Gründe im Vordergrund stehen. Aber ob es aber nun gesund ist, ganz auf tierische Produkte zu verzichten, das ist bis heute eine Streitfrage.

Vor 100 Jahren, als die bekennenden Vegetarier ihren ersten Weltkongress in Dresden abhielten, waren sie noch eine verschwindend kleine exotische Minderheit In dieser Woche treffen sich 600 Teilnehmer aus 31 Ländern zu ihrem 38. Weltkongress, wiederum in Dresden. Die Themen um die es gehen wird sind ethische Fragen gehen, Massentierhaltung, „Personenstatus und Würde für höhere Säugetiere“ und um die Rolle, die die Nutztierhaltung für die globale Erwärmung spielt. Der missionarische Eifer, mit dem vor 100 Jahren begonnen wurde, der ist geblieben: „Unser Ziel ist, dass ein Viertel der Bevölkerung ganz ohne Fleisch auskommt“, sagt Hildegund Scholwien, die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes. Der Theologe Eugen Drewermann wird sprechen, der selbst Vegetarier ist und in seinem „alternativen Vaterunser“ die Formulierung fand: „Verbiete uns, Herr, das tägliche Fleisch. Das tägliche Brot gib uns heute.“

Aber auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät dazu, nur zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch auf den Speiseplan zu setzen. „Fleisch ist eine gute Quelle für Eisen und hochwertige Proteine, doch 300 bis 600 Gramm pro Woche reichen“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Susann Ruprecht vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke. Dort haben in den letzten Jahren Studien ergeben, dass es das Risiko für Darmkrebs und für Diabetes vom Typ 2 erhöht, wenn man viel rotes Fleisch isst.

Für den völligen Verzicht auf die Putenstreifen zum Salat und vor allem auf Fisch ist das jedoch kein Grund. „Auch die ‚Pudding-Vegetarier‘, die nur auf Fleisch verzichten, ohne auf eine ausgewogene und fettarme Ernährung zu achten, leben nicht gerade gesund“, sagt Susann Ruprecht. Besonders für die strengen Veganer unter den Vegetariern ist es lebenswichtig, sich bewusst zu ernähren. Wer nur auf alle tierischen Produkte verzichtet, aber zu wenig andere eiweißhaltige Nahrungsmittel an ihre Stelle setzt, kann leicht in einen Proteinmangel rutschen. Für Kleinkinder kann eine vegane Diät, die gleich nach dem Abstillen ansetzt, ganz besonders gefährlich werden. „Wenn ihnen Vitamin B 12 fehlt, das sie für die Nerven- und Hirnentwicklung dringend brauchen, drohen irreversible Schäden“, warnt Susann Ruprecht.

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